, 22. Januar 2015 in Aus der Praxis, Blog | 0 Kommentare

Viele Städte, Landkreise und Gemeinden öffnen sich dem Thema „Bürgerbeteiligung“ und starten meisten mit einer allgemeinen Bürgerbefragung in einen entsprechenden Prozess. Wenn die Ergebnisse samt Dokumentation vorliegen kommen die Projekte oft ins Stocken. Was tun mit den Ergebnissen? Mit den Forderungen der Bürger? Mit Wünschen und Hinweisen, die möglicherweise gar nicht realisierbar sind?

Die befragten Bürgerinnen und Bürger knüpfen immer Erwartungen an diese erste Form der Beteiligung. Sie möchten über die Ergebnisse informiert werden und sehen, dass angemahnte Punkte angegangen und (vermeindlich) schlecht bewertete Situationen verbessert werden. Das erzeugt Druck für die öffentliche Verwaltung und fühlt sich unangenehm an.

Nachfragen zum Projekt auf einen späteren Zeitpunkt zu vertrösten – also die Strategie, unangenehme Themen „auszusitzen“ – ist genauso unangebracht und erfolglos wie schneller, nicht durchdachter Aktionismus. Langfristig stellt sich dann auf beiden Seiten – Bürgerschaft und öffentliche Verwaltung – Enttäuschung ein, da Erwartungen nicht erfüllt werden (können).

Der erste Schritt: Die Resultate müssen differenziert bewertet und interpretiert werden.

Ist das Ergebnis eindeutig oder kontrovers? Beispielsweise kann die Zufriedenheit mit einem Projekt oder Arbeitsbereich sehr gut abschneiden – oder sehr schlecht. Dann ist klar, was zu tun ist: Die sehr gute Qualität halten oder das Angebot verbessern. Aber es kann auch zu kontroversen Ergebnissen kommen: Ein Teil der Befragten befindet das Vorhandensein eines Angebots als sehr gut und wichtig, während ein anderer Teil das Angebot ablehnt oder sogar das Fehlen bemängelt. Spätestens hier müssen die Daten genauer analysiert werden.

Bei der Betrachtung der Ergebnisse empfiehlt es sich, folgende Punkte zu überdenken:

  • Welche Ergebnisse lassen einfaches Handeln zu bzw. erzielen schnell und unkompliziert Erfolg? Welche Forderungen können leicht realisiert werden? (so genannte „low hanging fruits“ oder „quick wins“)
  • Welche Punkte / welches Thema muss noch vertieft werden, weil die Ergebnisse noch nicht aussagekräftig sind? Kann das mit einer weiteren Befragung oder mit einem Arbeitskreis erreicht werden?
  • Ist ein kontroverses Ergebnis plausibel? Oder liegt ein Kommunikationsdefizit vor? Das ist meist der Fall, wenn Punkte zum einen gelobt und zum anderen als nicht vorhanden angemahnt werden.
  • Welche Ergebnisse stehen in gegenseitiger Abhängigkeit und sind nur „entweder oder“ zu bearbeiten?
  • Welche Forderungen / Ergebnisse können aus finanziellen und / oder organisatorischen Gründen bzw. aus Mangel an Zuständigkeit nicht umgesetzt werden?

Mit diesem strukturierten Blick auf die Befragungsergebnisse kann man beginnen, einen Handlungs- und Maßnahmenplan aufzustellen. Vorteil dieser übersichtlichen Herangehensweise: Es besteht die Möglichkeit, Bürgerinnen und Bürger auch in diese Überlegungen mit einzubeziehen. Das wiederum fördert die Akzeptanz und das Verständnis für Entscheidungen.

Letztendlich ist es wichtig, sich bereits vor einer Bürgerbefragung Gedanken zu machen, ob man bereit ist, diesen Prozess anzustoßen, und einen gemeinsamen Weg mit der Bürgerschaft zu gehen. Denn die Forderung der Gesellschaft nach mehr Beteiligung und Information stellt auch neue Herausforderungen an die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit öffentlicher Verwaltungen und Projektpartner. Konsequente Bürgerbeteiligung kostet Geld und Kapazitäten, bietet aber wertvolle Aspekte für eine langfristig nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung.