, 22. Januar 2014 in Blog, Stadt beleben | 0 Kommentare

 

In der Süddeutschen Zeitung sind unter „München und Region“ immer wieder mehrere schöne Artikel zum Thema Handwerk und Tradition erschienen. Sie zeigen, wie es vielen Vierteln in deutschen Städten geht.

Auch in meinem Stadtteil gab es einen kleinen Schusterladen. Schon als Kind liebte ich es, in das schummrige Licht einzutauchen und den Geruch von Leder und Schuhcreme einzuatmen. Generationen von Kindergartenkindern besuchten diesen „echten“ Handwerker und sahen ihm beim Arbeiten zu. Jetzt ist er weg. Keiner näht noch schnell morgens die Riemen an einen Schulrucksack oder stanzt Löcher in den neuen Gürtel, oder bietet seine Dienste bei unterschiedlichen Schuhgrößen an. An seine Stelle ist ein weiteres Nagelstudio getreten – mit Leuchtreklame und schrillen Fensterwerbungen. Das Schustergeschäft wurde aufgelöst, genauso wie der Eisenwarenladen an der Ecke, dessen Inhaber in seiner Sammlung immer noch den richtigen Beschlag für meine Flohmarkt-Kommode oder die alte Kellertür gefunden hat. Hier entsteht in wenigen Monaten ein Telekommunikationsgeschäft. Davon gibt es auch schon einige in unserem Viertel. Künftig werde ich wohl noch mehr Zeit außerhalb meines Wohnumfeldes verbringen, draußen bei den großen Einkaufszentren oder im Baumarkt.

Schade, dass es diesen alteingesessenen Geschäften so schwer gemacht wird zu bleiben. Wo bleibt denn der unverwechselbare Charmes des Stadtteils, wenn alle Stadtteile wie Klone wirken?

 

 

 

Über die Gastautorin Christina B. Salz M.A.

Einstieg in den Journalismus über feste freie Mitarbeit bei einer Lokalzeitung. Studium der Soziologie, Kommunikationswissenschaften, Germanistik. Als Studentin zur Presseabteilung eines Fachverlages. Redakteurin für Fachzeitschriften. Ausbildung zur Fachreferentin für Öffentlichkeitsarbeit (DIPR, Hamburg). Agenturerfahrung in Hamburg.